Wochenkommentar: Griechenland bleibt bestimmend

09.02.2012

Die jüngsten US-Konjunkturdaten fielen überwiegend erfreulich aus. Auf dem Arbeitsmarkt setzte sich die tendenzielle Verbesserung zuletzt fort. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg im Januar mit 243.000 (Dezember: 203.000) so stark wie seit April 2011 nicht mehr. Die Arbeitslosenrate sank auf 8,3% (Dezember: 8,5%) und damit auf das niedrigste Niveau seit Februar 2009. Die Auftragseingänge in der US-Industrie wuchsen im Dezember um 1,1% M/M (November: 2,2%). Im US-Dienstleistungssektor hat sich das Wachstum im Januar beschleunigt. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex verbesserte sich auf 56,8 Punkte (Dezember: 53,0 Punkte). Werte über 50 signalisieren ein Wachstum, Werte darunter eine Kontraktion. In der Eurozone verbesserte sich der Markit-Service-Index im Januar auf 50,4 Punkte (Dezember: 48,8). Das Absatzvolumen im Einzelhandel fiel in der Eurozone im Dezember gegenüber dem Vormonat um 0,4% (November: -0,4% M/M). Gegenüber Dezember des Vorjahres war ein Rückgang um 1,6% (November: -1,5% J/J) zu beobachten. Die Erzeugung im deutschen produzierenden Gewerbe schwächte sich im Dezember um 2,9% (November: 0,0%) ab. Die Auftragseingänge in der Industrie nahmen im Dezember jedoch um 1,7% M/M (November: -4,9%) zu.

Die Renditen der deutschen und US-Staatsanleihen sind in den letzten Tagen gestiegen. Die geringere Nachfrage nach diesen sicheren Häfen resultierte einerseits aus der Hoffnung auf eine Einigung der griechischen Regierungsparteien auf die von der Troika geforderten Reformen sowie zwischen Griechenland und den privaten Gläubigern des Landes hinsichtlich eines freiwilligen Forderungsverzichts, die beide als Voraussetzung für ein zweites Hilfspaket gelten. Auch die Veröffentlichung von besser als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktzahlen, die die allgemeine Risikoneigung der Marktteilnehmer erhöhte und die Wahrscheinlichkeit eines dritten Anleiheankaufs-programms durch die US-Notenbank zur Unterstützung der US-Wirtschaft verringerte, unterstützte die Aufwärtsentwicklung der Renditen. Auch in den nächsten Tagen wird das Thema Griechenland das Marktgeschehen in einem bedeutenden Ausmaß bestimmen. Bereits heute soll dazu ein Euro-Finanzministertreffen stattfinden. Gemäß neuesten Meldungen haben die griechischen Parteien nun eine Einigung über die für das zweite Rettungspaket geforderten Sparmaßnahmen erzielt. EZB-Präsident Draghi hat dies in der heutigen Pressekonferenz bestätigt. Der geldpolitische Rat der Europäischen Zentralbank beließ heute wie erwartet den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte bei 1,0%. Auch die anstehenden Konjunkturdaten werden die Entwicklung der Renditen in den nächsten Tagen mitbestimmen. Im Falle von weiteren Fortschritten bei der Bewältigung der Schuldenkrise dürften die Renditen in den nächsten Tagen etwas steigen. Mögliche Rückschläge bei den Griechenland-Gesprächen auf den diversen Ebenen bergen jedoch ein Risiko.

Die Aktienkurse setzten in den letzten Tagen ihre Aufwärtsentwicklung fort. Zahlreiche Aktienindizes stiegen auf das höchste Niveau seit Monaten. Der Nasdaq Composite Index erreichte sogar den höchsten Stand seit Dezember 2000. Für eine höhere Risikoneigung sorgte vor allem die Veröffentlichung guter US-Arbeitsmarktzahlen. Außerdem war das Thema Griechenland für diese Entwicklung mitverantwortlich. In den nächsten Tagen bleibt Griechenland auch an den Aktienmärkten im Fokus der Marktteilnehmer. Die Berichtssaison gewinnt in Europa weiter an Fahrt. In den USA hat sie bereits ihren Höhepunkt überschritten. Aus dem S&P 500 Index haben mittlerweile 339 Unternehmen ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Unter der Voraussetzung von weiteren Fortschritten bei den Griechenland-Gesprächen dürften die Aktienkurse in den nächsten Tagen mehrheitlich etwas zulegen.

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