Wochenkommentar: Griechische Hängepartie
16.02.2012
Die Stimmung der US-Verbraucher hat sich im Februar etwas eingetrübt. Der entsprechende Index von Thomson Reuters und der Universität Michigan fiel nach vorläufigen Berechnungen auf 72,5 Punkte (Januar: 75,0). Vor allem mit der Entwicklung ihrer Einkommen zeigten sich die Konsumenten unzufrieden. Die Industrie im Bundesstaat New York hat im Februar an Fahrt gewonnen. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe für die Region, der als ein früher Indikator für die gesamte US-Wirtschaft gilt, verbesserte sich auf 19,53 Punkte (Januar: 13,48). Der Umsatz der US-Einzelhändler ist im Januar gegenüber dem Vormonat um 0,4% (Dezember: 0,0%) gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat war ein Anstieg um 5,8% zu beobachten. Die US-Industrieproduktion stagnierte im Januar (Dezember: 1,0% M/M). In der Eurozone verringerte sich die Industrieproduktion im Dezember gegenüber November um 1,1% (November: 0,0%). Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Produktion um 2,0% (November: +0,1%). Im vierten Quartal 2011 ist die Wirtschaft der Eurozone gegenüber dem Vorquartal um 0,3% (Q3: +0,1%) geschrumpft. Im gesamten Jahr 2011 ist das Bruttoinlandsprodukt um 1,5% gestiegen. Das deutsche BIP verringerte sich im vierten Quartal um 0,2% Q/Q (Q3: +0,6%). Im Gesamtjahr 2011 war ein Wachstum von 3,0% zu beobachten. In Österreich sank das BIP im vierten Quartal 2011 gegenüber der Vorperiode gemäß WIFO real um 0,1% (Q3: +0,2%). Impulse kamen vor allem vom Konsum der privaten Haushalte und den Anlageinvestitionen. Die Konjunkturimpulse aus dem Ausland sind weiter zurückgegangen. Im gesamten Jahr 2011 wuchs die österreichische Wirtschaft um 3,1%.
Die Renditen der deutschen und US-Staatsanleihen sind in den letzten Tagen gesunken. Für eine hohe Nachfrage nach diesen sicheren Häfen sorgte vor allem die Hängepartie hinsichtlich der Gewährung eines zweiten Hilfspakets für Griechenland. Auch die Veröffentlichung einiger schwacher Konjunkturdaten war für diese Entwicklung mitverantwortlich. Das ursprünglich für Mittwoch anberaumte Treffen der Euro-Finanzminister zum Thema Griechenland wurde auf eine Telefonkonferenz reduziert. Das Finanzministertreffen soll nun am Montag stattfinden. Der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, zeigte sich zuletzt zuversichtlich, dass die Gruppe am Montag alle notwendigen Beschlüsse fassen könne. In deutschen Regierungskreisen ist der diesbezügliche Optimismus jedoch geringer ausgeprägt. Das einzige, was beim Thema Griechenland wirklich sicher erscheint, ist der Tilgungstermin der nächsten griechischen Staatsanleihe am 20. März. Selbst die für April geplante Parlamentswahl wurde zuletzt in Frage gestellt. Der deutsche Finanzminister, Wolfgang Schäuble, hat eine Verschiebung angeregt. In den nächsten Tagen wird Griechenland somit weiterhin das Marktgeschehen dominieren. Im Falle von Fortschritten bei der Bewältigung der Schuldenkrise dürften die Renditen etwas steigen. Mögliche Rückschläge bei den Griechenland-Gesprächen auf den diversen Ebenen bergen jedoch weiterhin ein Risiko. Gedrückt durch die üppige Liquiditätszufuhr der EZB und mit der Aussicht auf mehr - Ende Februar ist das zweite 36-Monats-Refinanzierungsgeschäft angesetzt - sollten die Euro-Geldmarktzinsen ihre tendenzielle Abwärtsbewegung fortsetzen.
Die Aktienkurse entwickelten sich in den letzten Tagen im Umfeld der andauernden Hängepartie hinsichtlich der Erfüllung aller Voraussetzungen für ein zweites Hilfspaket für Griechenland seitwärts. Positiv wurde der Beschluss des jüngsten Sparpakets durch das griechische Parlament vom Wochenende aufgenommen. In den nächsten Tagen bleibt Griechenland auch an den Aktienmärkten das zentrale Thema. Auch die anstehenden Konjunkturdaten (USA: Philadelphia Fed Index, Frühindikator, Auftragseingänge Industrie; EZ: Einkaufsmanagerindizes, Auftragseingänge Industrie; D: ifo-Geschäftsklimaindex etc.) und die veröffentlichten Quartalszahlen der Unternehmen werden das Marktgeschehen mitbestimmen. Im Falle von Fortschritten bei der Finanzhilfe für Griechenland sollten die Aktienkurse in den nächsten Tagen mehrheitlich zulegen.
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Autor: Friedrich Glechner
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