Deutschland von Rezession erfasst
Die deutsche Wirtschaft befindet sich nun als erste größere Volkswirtschaft der Eurozone offiziell in einer Rezession! Im dritten Quartal wies das Land gegenüber dem Vorquartal einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um -0,5% aus (Q2: -0,4%). Da Deutschland rund 30% zur Wirtschaftsleistung der Eurozone besteuert, macht dies eine Stagnation in letzterer immer wahrscheinlicher, wie auch zuletzt die Industrieproduktion der Eurozone andeutete (Sep: -2,4% J/J). Nachdem sich die negative Entwicklung der Industrieaktivität bislang auf den südlichen Teil der Eurozone konzentriert hatte, war im September auch in Deutschland ein spürbarer Rückgang zu verzeichnen. Aufgrund der hohen wirtschaftlichen Verflechtung mit dem nördlichen Nachbarland sind negative Auswirkungen auch für Österreich sehr wahrscheinlich. Der US-Arbeitsmarkt scheint sich deutlicher abzuschwächen als bislang von uns erwartet. Die Arbeitslosenrate verzeichnete im Oktober einen drastischen Anstieg von zuvor 6,1% auf nunmehr 6,5%, den höchsten Stand seit dem März 1994! Gleichzeitig verläuft der Stellenabbau mit rund 240.000 weiterhin in erhöhtem Tempo und auch die Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung befindet sich mit 481.000 auf einem Rezessionsniveau. Beide signalisieren folglich eine längere Talsohle und einen noch stärkeren Anstieg der Arbeitslosenrate. Ein Maximum zeichnet sich aus unserer Sicht erst für das Frühjahr 2010 ab, was höhere Forderungsausfälle im Bereich der Privatkredite und Kreditkartenschulden zur Folge haben sollte und den Finanzsektor zusätzlich belasten wird. Die anstehende Woche bringt eine Fülle an US-Konjunkturdaten, welche jedoch unverändert schwach ausfallen sollten.
Die Maßnahmen der Zentralbanken zur Stabilisierung des Interbankenmarktes zeigen allmählich Wirkung. Die Geldmärkte konnten sich in der abgelaufenen Woche deutlich entspannen. Der US-3-Monats-Libor reduzierte sich um weitere 24 Basispunkte (bp) auf zuletzt 2,15%, den tiefsten Stand seit November 2004. Der Aufschlag gegenüber dem Leitzins verkleinerte sich entsprechend auf 115 bp. Daneben dürfte der Geldmarkt auch zunehmend eine weitere Leitzinssenkung um 50 bp bei der nächsten Fed-Sitzung am 16. Dezember „einpreisen“, nachdem der Präsident des Feddistrikts Atlanta in einem Interview die Möglichkeit einer Nullzinspolitik in den USA in Erwägung zog. In der Eurozone ergab sich seit der Vorwoche ein Rückgang um 34 Basispunkte. Der Aufschlag über dem Mindestrefinanzierungssatz der EZB beläuft sich entsprechend auf 100 bp (Vorwoche: 134 bp). Wir erwarten für die kommende Woche eine weitere Verbesserung der Marktsituation.
Die Renditen, sowohl in den USA als auch in der Eurozone, wurden in der abgelaufenen Woche durch das sich eintrübende konjunkturelle Umfeld und die stark nachgebenden Aktienmärkte belastet. Auf Wochensicht könnte sich erneut ein Rückgang ergeben, zumal die weiteren Konjunkturdaten überwiegend negativ ausfallen dürften und die zur Veröffentlichung anstehenden US-Inflationsdaten eine weiter rückläufige Inflationsentwicklung andeuten dürften.
Bei den Wechselkursen setzte sich die Dollaraufwärtsentwicklung fort, auch Schweizer Franken und Yen gewannen zum Euro an Wert. Dieser Trend, der vor allem auf die hohe Risikoaversion und die damit verbundenen Repatriierungen zurückzuführen sein dürfte, sollte bis auf weiteres noch anhalten.
Nachdem zu Wochenbeginn die Ankündigung eines milliardenschweren chinesischen Konjunkturprogramms insbesondere den asiatischen Börsen Auftrieb gab, brachten überwiegend schlechte Unternehmensergebnisse und die Rücknahme zahlreicher Gewinnschätzungen sowie der negative Konjunkturausblick die internationalen Aktienmärkte in der abgelaufenen Woche unter starken Druck. Auf Wochenfrist erwarten wir mit der Veröffentlichung von mehrheitlich schwachen Wirtschaftsdaten sinkende Kurse an den Aktienmärkten.
Research-Team der Volksbank Gruppe
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